Kommentar: Schindelmeiser geht seinen eigenen Weg

Foto: vfb-exklusiv.de / mit freundlicher Genehmigung
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In diesen Tagen lassen diverse Medien die Diskussion um Jan Schindelmeiser nochmals aufkochen. Seine Transferpolitik sei zweifelhaft, er mache einiges im Alleingang. Dazu kommen jüngst Vorwürfe auf, das Team des VfB wäre zu international geprägt.

 

Ohne jegliche Informationen wird Gunter Barner den Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, auf dem derzeit einige Medien ihre Berichterstattung über Jan Schindelmeiser aufbauen, mit Sicherheit nicht verfasst haben. Bei Argumenten wie der Körpersprache, die auf Unzufriedenheit schließen soll, dürfen beim Leser dennoch Zweifel aufkommen.

 

Der Sportvorstand sei Intern umstritten. Zumindest von außen betrachtet kommt einem das alles anders vor. Im letzten Jahr wurde unter seiner Führung allerdings nicht nur das sportliche Ziel erreicht. Er hat es auch geschafft, wieder Ruhe und Ordnung in den Verein zu bringen und einen Trainer zu installieren, mit dessen Akribie und Arbeitsweise man rundum zufrieden ist. Hierbei stellt sich also die Frage, ob es jemand im Verein gibt, der Informationen gestreut hat, um einen Machtkampf vom Zaun zu brechen. Das alles bleibt aber Spekulation.

 

Keine Spekulation gewährt jedoch der Blick auf die Tatsachen. Probleme sehen manche in der Transferpolitik. Zu viele unerfahrene, junge Spieler können in der Bundesliga nicht bestehen, lautet der Vorwurf. Unter anderem Beispiele wie RB Leipzig beweisen das komplette Gegenteil. Aber auch jungen Spielern wie Benjamin Pavard wurde im letzten Jahr teilweise wenig zugetraut. Schindelmeiser bedient sich nicht nur in dieser Reihe, weil Spieler in dem Alter deutlich hungriger und entwicklungsfähiger sind, sondern auch, weil die Alternativen kaum vorhanden sind. Als Aufsteiger bekommt man nicht so einfach einen gestandenen Bundesliga-Spieler, wenn man sieht, dass Wolfsburg für Brooks, der zweifellos gut aber nicht weltklasse ist, schon knapp 20 Millionen Euro hinblättern muss. Dass der Mannschaft in der Abwehr noch ein, zwei erfahrene Profis gut tun würden, weiß man beim VfB trotz allem nur gut genug.

 

Jan Schindelmeiser geht seinen eigenen Weg und verpasst dem VfB als Aufsteiger eine neue Identität. Er beruft sich nicht mehr auf verbrauchte Beraternetzwerke, sondern baut sich lieber sein eigenes Team auf, was auch ein Grund dafür ist, warum Transfergerüchte meist nur von der anderen Seite kommen. Höchst fragwürdig, das als Alleingang zu verbuchen. Dabei ist es eben auch nötig, Spieler auf dem gesamten Kontinent und darüber hinaus zu scouten, weil man bei diesen weniger Konkurrenz hat und sich dadurch eine moderne, vielversprechende Transferpolitik von einer vermeintlich altmodischen abgrenzt. Abgrenzt von eher weniger gescouteten Spielern, die wie zu Luhukays Zeit von irgendeiner Reservebank kommen, Hauptsache es steht eben Bundesliga oder Erfahrung drauf. Will man das wirklich? Oder geht man lieber das Risiko ein und hofft die Chance zu nutzen, anders als in den vergangenen Jahren, mit jungen Spielern in der Bundesliga erfolgreich zu sein. Sportvorstand Schindelmeiser hat sich für letzteres entschieden, und sein Weg ist noch lange nicht vorbei.