Kommentar: Schnellschuss oder Rückfall in alte Muster?

Foto: VfB.de
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Wie der VfB Stuttgart bekanntgab, hat man den zuvor vereinslosen Dennis Aogo mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet. Bei vielen Fans stößt das, zurecht, auf viel Unverständnis.

 

Aogo ersetzt positionsgetreu Emiliano Insua, der neuesten Gerüchten zufolge aufgrund eines Muskelrisses deutlich länger ausfallen soll als zunächst angenommen. Der VfB sah hier wohl noch eine Verstärkung von Nöten, weil man Ailton offenbar noch nicht allzu viel zutraut. Natürlich kann man an dieser Stelle sagen, dass Aogo nur ein dringender Schnellschuss war, merkwürdig ist dann aber dennoch, warum ein verletzungsanfälliger Spieler, der in der abgelaufenen Saison auf wenig Spielzeiten kam, einen Zweijahresvertrag erhält und nicht wie Holger Badstuber nur für ein Jahr gebunden wird, eventuell mit Option auf ein weiteres.

 

Brisant ist der Transfer vor allem deswegen, weil es der erste unter Michael Reschke ist. Zwar tritt der neue Sportvorstand sein Amt erst am Freitag offizell an, den Transfer hat der VfB aber mit Sicherheit nicht ohne seine Einverständnis getätigt.

Jung, hungrig und entwicklungsfähig lautete die Marschroute noch unter Jan Schindelmeiser, mit der einige Fans sympathisierten. All das hat der VfB mit einem einzigen Transfer gefühlt über den Haufen geworfen. Es ist ein Rückfall in alte Muster zu erkennen, aus Zeiten von Horst Heldt oder Fredi Bobic, die man als Fan eigentlich nie mehr wieder erleben wollte.

Spieler aus der Kategorie fantasielos, vereinslos, ausgedient, bei denen schon seit Jahren keine Leistungssteigerung mehr zu erkennen ist. Hauptsache Erfahrung steht drauf. Es scheint teilweise so, als habe man aus dem Abstieg wenig gelernt, in den man auch wegen solcher Verpflichtungen hineingerutscht ist. Als habe man die aufkommende Hoffnung durch das Aufstiegsjahr mit der Entlassung Schindelmeisers und der Verpflichtung Aogos beerdigt.

Den Teufel direkt an die Wand zu malen, ist wahrlich nicht zwingend nötig. Dennis Aogo hat ebenso wie jeder andere Transfer eine faire Chance verdient. Und so kann man als VfB-Fan in diesen unruhigen Zeiten nur hoffen, dass der Aogo-Transfer keineswegs den Weg von Michael Reschke markiert, sondern nur ein Schnellschuss war, den es hier so schnell nicht mehr geben wird.